Symposium
Unmögliche Tränen




Ein Symposium über Emotionen in zeitgenössischem Tanz und Performance

“Ja, wenn man Tränen schreiben könnte -
doch so--"
Heinrich von Kleist

Die Gabe der Träne, des Gefühls entzieht sich der Repräsentation, der geschlossenen Ökonomie des Tausches. Mit dieser unsicheren Auf/Gabe, mit den Un/Möglichkeiten der Expression, mit der Vakanz der Gefühlsdarstellung in zeitgenössischem Tanz und Performance setzt sich das Symposium auseinander. Kommen Tränen überhaupt ins Spiel, so werden sie sogleich aufs Spiel gesetzt – und auch alles, was sie schreiben könnten.

Konzept: Krassimira Kruschkova

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Fr 24. Sept.

16.00h: Eröffnung

16.30h: Rainer Nägele (USA/F)
„Weinen, dem die Tränen fehlen“:
der Ausdruck des Ausdruckslosen
So wie im Tanz die ‚posa’, das pausierende und posierende Innehalten der Bewegung immer schon zur Tanzbewegung gehörte, so ist das Ausdrucklose die Bedingung, dass etwas wie das, was Emotion wäre, sich ausdrücken lässt.
R. Nägele ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft (Johns Hopkins University), lebt in Baltimore und Paris.

17.30h: Claudia Jeschke (D/A)
The cost of moving.
DV8 Physical Theatre und andere ‚Abweichungen’ des Emotiven imTanz
In zeitgenössischen Tanzwerken lassen sich – trotz „unmöglicher Tränen“ – Fährten historisch verortbarer Um-Wege des Bewegt-Seins auf der Bühne und Spuren traditioneller Strategien (auch) der (körperlichen) Abweichung identifizieren und ihre emotive Wirksamkeit reflektieren.
C. Jeschke ist Professorin für Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg.

18.30h: Helmut Ploebst (A)
Warum weinte Jérôme Bel während eines Stücks von Raimund Hoghe?
Ist die erlebte Wirklichkeit bloß ein Truppenübungsplatz, auf dem Rührungen systematisch verstümmelt werden, spielt die Performanz der Emotionalität eine größere Rolle in der Konstruktion von inneren Regungen als die tägliche Überlebensroutine?
H. Ploebst ist freier Tanzkritiker und Autor, lebt und arbeitet in Wien.   

Sa  25. Sept.

10.00h: Monika Meister (A)
„Mit einem weinenden und lachenden Auge.“
(Keine) Emotionen im Theater
Sind Tränen Ausdruck von Emotionen und wie könnte die Rede sein vom Körper und den Empfindungen, die sich szenisch artikulieren?
M. Meister ist Professorin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Wien.

11.00h: Gerald Siegmund (D)
Gefühl - dort, wo ich nicht bin... Über Jérôme Bels ”The Last Performanc”
Das, was mich im Tanz angeht, resultiert aus der Abwesenheit der Gefühlsdarstellung auf der Bühne.
G. Siegmund ist Tanz- und Theaterwissenschaftler am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen.

12.00h: Valérie Baumann (CH)
Überflüssig oder: Wieviel Verspätung verträgt die Träne. 
Vom Wassertropfen unterm Mikroskop, der, kurz bevor er fällt, „wimmelt“ (Adorno), zu den Schweißperlen unter den durchsichtigen Regenmänteln in Meg Stuarts "Visitors Only": Kann durch das Prozessuale an der Trübung die falsche Spontaneität der Träne fällig werden?
V. Baumann ist freie Literaturwissenschaftlerin, lebt und arbeitet in Lausanne.

PAUSE

15.00h: Andreas Spiegl (A)
Ich habe nur einen Körper, und das ist nicht meiner…
Zur Diskussion steht ein Subjekt, das sich in einem Raum bewegt, der keine Verbindung aufweist zwischen Ursache und Wirkung, ein Subjekt, dem der Grund abhanden gekommen ist, nicht aber das Gefühl, mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen zu stehen.
A. Spiegl ist Vizerektor am Institut für Kunst- u. Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien. 
 
16.00h: deufert + plischke (D)
Eporue (Video, Dauer ca. 15min.)
Verführung. Gewalt. Suche. Geburt. Inlandnahme beginnt in Gestalt von Schönheit.
deufert + plischke: Kuenstlerzwilling seit 2001. Lebt und arbeitet in Leipzig.

16.30h: Nikolaus Müller-Schöll (D/F)
Lügen Tränen nicht?
Ausgehend von Lepages "Le polygraphe" und Castorfs "Pension Schöller/Die Schlacht" sollen die Ideologeme des Körpers als Einspruchsinstanz für etwas wie das "Reale" untersucht werden.
N. Müller-Schöll ist Assistent am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bochum.

18.30h: Probenbesuch bei Philipp Gehmacher in den TQW / Studios

 
24.09.2004    ab 16.00h Studios
25.09.2004    ab 10.00h Studios